Die Oberbekleidung

Die Tunika
Die knielange Tunika ist der Grundtypus der Oberbekleidung bei der arbeitenden Bevölkerung, sie begegnet uns in zeitgenössischen Quellen bei Bauern, Handwerkern und Bürgern. Einige skandinavische Textilfunde zeigen die Möglichkeiten der Rekonstruktion.Diese Tunika ist aus walnußgefärbter (3. Zug) köperbindiger Wolle gefertigt. Sie beruht auf einem einfachen ökomomischen Zuschnitt, die erweiternden Keile sind auf der Seite eingenäht. Die Ärmel sind ohne Keile gearbeitet, und die Naht verläuft über den Ellenbogen. Genäht wurde mit ungebleichtem Leinenzwirn mittelgrober Qualität.Die Tunika ist mit einem ledernen Gürtel mit einer Buntmetallschnalle gebunden.Das Zuschnittschema (rechts) bezieht sich auf eine mittelalterlich adäquate Webbreite von 60 80 cm.

Abb.: familia ministerialis, Kreuzfahrerbibel (frz. 1260), Willehalmhandschrift (Mitteldeutschland 1275), Baumeister Magdeburger Dom (1260), Österr. Psalterium (vor 1250)





Der Mantel
Als Wetterschutz bedient sich dieser Zimmermannsgeselle einem einfachen Rechteckmantel aus Zwiebelgefärbtem Wollloden. Um den Hals zu schützen trägt er eine separate, mit Leinen gefütterte Kapuze aus dem selben Material. Die Kapuze kann auch direkt an den Mantel gearbeitet sein. Zum arbeiten wird er sich den Mantel über die Schultern werfen, und hat somit die Hände frei.
Dieses ungemein praktische Kleidungsstück kann auch als Cappa oder Kappe angesprochen werden. Die Anfertigung aus zwei Rechtecken- die Dimensionen entscheiden über die endültige Gestalt des Mantels- ist überaus einfach und praktikabel. Zeitgenössische Darstellungen belegen diese Mantelvariante. Genäht wurde mit einem mittelgroben Leinenzwirn (ungebleicht).
Für die wertvollen Hinweise zur Rekonstruktion dieses Mantels bedanken wir uns bei Dr.R.M. Hirschberg, marca brandenburgensis.

Abb.: familia ministerialis, Figuren am Konstanzer Münster (um 1280); Figuren am Naumburger Dom (um 1260), engl. Psalter (1280), Österr. Psalterium (1299)





Die Kapuze
Wie bereits im vorangegangenen beschrieben trägt dieser Handwerker eine Kapuze oder Gugel (Abb. oben). Diese Gugel kann auch ohne Mantel über der Tunika getragen werden, sowie der Mantel ohne Gugel. So ist der Handwerker in der Lage seine Kleidung optimal auf die Witterungsverhältnisse zu justieren.Für eine bessere Winddichtigkeit ist die Kapuze mit Leinen gefüttert. Als Obermaterial wurde dieselbe zwiebelgefärbte, gewalkte Wolle wie bei dem Mantel (Resteverwertung) verwendet

Abb.:familia ministerialis, Österr. Psalterium (vor 1290)