Die Entwicklung des Gartens im Mittelalter

Seine Entstehung, und Anlage bis zum 13. Jahrhundert, unter Einbeziehung der kultivierten Pflanzen.
D. Seidlitz, 17.01.04, Berlin


Einleitung

Gärten sind heute aus unserem näheren und weiteren Lebensumfeld nicht mehr wegzudenken, sei es als klimaökologischer Faktor im Rahmen der Stadtplanung, zum Zwecke der Naherholung im öffentlichen und halböffentlichen Raum, oder im privaten Raum in Form der Schreber- oder Hausgärten. Dieser selbstverständliche Umgang mit dem Kulturgut "Garten" im weiteren Sinne, ist Produkt einer langen kulturgeschichtlichen Entwicklung in Europa. Die initiale Befruchtung mag aus dem Orient über den mediterranen Raum nach Mittel- und Nordeuropa gelangt sein. Jedem sind die antiken Gärten mit ihren gargantuesken Formen und ihrer Gestaltungsvielfalt ein Begriff, als Beispiel seien hier nur die hängenden Gärten von Theben oder die herrlichen Atriumgärten Roms und Griechenlands erwähnt. Schon im alten Ägypten finden sich Darstellungen höchster Würdenträger bei dem Bestellen des Gartens (Abb.1). Eine Gesellschaft, die Gärten um ihrer selbst willen, ohne agrarische Notwendigkeit, anlegt, hat ihre Rolle als Steuerer und Planer ihrer Umwelt verstanden. Der Mensch nicht als Teil einer von Gott/ Natur gegebenen Landschaft, in welcher er sich zurechtfinden muss, sondern als Aktivator von Landschaften nach seinen Bedürfnissen und Wünschen. Im 13. Jahrhundert finden wir die ersten Entwicklungen von "Lustgärten" und Gestaltelementen zur Zerstreuung und Verlustierung der Menschen in Europa. Dem entgegen steht die Notwendigkeit der Anlage von Gärten zur Gewinnung von Lebensmitteln. Sei es zur Erzeugung der Rohstoffe für das "täglich Brot", oder zur Bereitstellung von Luxusgütern wie Obst und Gewürzen, sowie Arzneipflanzen. Nüchtern betrachtet hat sich die Motivation zur Anlage von Gärten bis heute nicht verändert. Der eigentliche Fortschritt bestand in der Verlagerung der Sammelgebiete im Aussenbereich in Erntegebiete in den häuslichen Bereich. So steuerte der Mensch das Wachstum und den Ertrag direkt nach den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Nicht zuletzt förderte die Anlage von Gärten den wissenschaftlichen Fortschritt, nun beschäftigte man sich mit der Anatomie der Pflanzen, analysierte ihre Inhaltsstoffe und manipulierte den Boden mit Hilfe der Chemie. Auch der technologische Fortschritt erfuhr einen Schub. All diese Entwicklungen könnte man auf das Plus an Zeit zurückführen, die dementsprechenden Pflanzen mußten nicht mehr gesucht und von weit herbeigeschafft werden. Diese Ausarbeitung soll allen Interessierten die Bedeutung von Gärten im Mittelalter erläutern, und vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß geben. Aber auch als praktische Anleitung dienen, sich selbst einmal auf dem Gebiet der alten Nutz- und Zierpflanzen zu versuchen. Interessant mag vielleicht auch der Überblick über die verwendete Flora sein.


Abb.1: Wandmalerei im Grab des Sennedjem, um 1250 v.Chr. (Ausschnitt)


Grundlagen und Quellen

Welche Quellen stehen uns zur Verfügung, und wer schaffte die Grundlagen der Gartenbaukunst? Uns stehen diverse Quellen zur Verfügung, zum einen bildliche Quellen wie zum Beispiel Marienabbildungen, spätmittelalterliche Hausbücher (Abb.2), Kupferstiche, Liebesallegorien und Monatsbilder, schriftliche Quellen in Form von Gartenplänen und Inventaren und schließlich archäobotanische Befunde aus Latrinen, Ablagerungen und Feuerstellen. Um sich der alten Gartenplanung aus architektonischer Sicht zu nähern, das heisst den Garten als Ort des schöngeistigen und gestalterischen Handelns und der Entspannung zu begreifen, bringen uns Funde von Nahrungspflanzen freilich wenig. Hier müssen wir Literatur und Kunst heranziehen. Oft sind die Darstellungen nicht um des Gartens willen entstanden, vielmehr müssen wir uns die Informationen herausfiltern. Die archäologischen Befunde geben Auskunft über die Anlage der Gärten und deren Bodenverhältnisse. Vor allem aber stützen sie die uns bekannte Artenvielfalt. Bildliche Quellen werden schon seit langer Zeit ausgewertet, hingegen ist die Archäobotanik erst in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Erfreulicherweise verhilft uns die interdisziplinäre Betrachtung des Themas zu einem recht aussagekräftigem Bild der mittelalterlichen Gärten. Jede Quellengattung hat so ihre eigenen Probleme, in den Quellen der bildenden Kunst stolpern wir oft über künstlerische Symbolwerte, kaum eine Quelle betrifft Sachtexte oder gar Pläne. Das ergrabene Material lässt wenig Raumvorstellung aufkommen, auch über die Häufigkeit von Pflanzenarten innerhalb des Gesamtsortimentes sagen sie erstaunlicherweise wenig aus. Im Gegensatz zu Getreidekörnern haben Früchte und Samen von Gartenpflanzen eine relativ geringe Chance zu verkohlen. Also bleiben ihre Überreste nur in Ablagerungen erhalten, welche infolge von Sauerstoffmangel nicht der Zersetzung durch Mikroorganismen anheim fallen. Allgemein ergibt sich eine sehr unterschiedliche archäobotanische Nachweisbarkeit für die einzelnen Pflanzengattungen mit Hilfe ihrer fossilen Reste, deshalb ist es wichtig mit anderen Quellen zu vergleichen. Besonders wenn Arten wie z.Bsp. Knoblauch (Allium sativum), Porree (Allium porrum) und Zwiebel (Allium cepa) kaum durch fossile Belege nachzuweisen sind (Willerding, 1998). So belegen uns bildliche Quellen das Vorhandensein der rotblühenden Rosa gallica und der weißblühenden Rosa alba, an den fossilen Früchten der Gattung Rosa wäre diese Unterscheidung schlicht unmöglich. Eine sehr wichtige, wenn nicht die wichtigste Rolle zur Entwicklung von Gartenplanung in Mitteleuropa fällt dabei den Klöstern zu. Besonders hervorzuheben ist dabei der Gartenplan von St. Gallen(Abb.4) aus dem Jahr 816, und der "Hortulus" des Abtes Walahfried Strabo (ca. 830). Die Mönche mögen antike Vorstellungen der Ideallandschaft übernommen haben, waren sich aber ihrer christlichen Aufgabe der Arbeit und Forschung dabei durchaus bewusst. Erstmals wird der Garten nicht nur zu Nutzzwecken angelegt, sondern er wird idyllisch verklärt und als locus amoenus als "Lustort" bezeichnet. Freilich können wir hier von "Gartenkunst" noch nicht sprechen, im Vordergrund steht immer noch die wirtschaftliche Nutzung. Auffällig sind jedoch die als "Paradiese" bezeichneten Gartenflächen an den Portalen, es liegt nahe zu vermuten, daß es sich hierbei um Gleichnisse zum Himmlischen handelt, um Flächen welche zur Einkehr und meditativen Vorbereitung auf das Gebet dienen. Oft waren diese Paradiese mit Rosen bepflanzt, diese Pflanze steht seit alters her für das Himmlische, das Göttliche (Hennebo, 1987).

Abb.2: Das Hausbuch der Cerrutti, 14.Jhdt. : Frühling Abb.3: Emailkästchen mit floralen Mustern, frühes 13.Jhdt., Limoges


Nicht geklärt ist der Zweck dieser frühmittelalterlichen Gartenpläne. Waren sie ein Schemata, ein "Soll" Zustand für ein normales Benediktinerkloster? Oder handelt es sich dabei um einen regelrechten Bauplan? Vielleicht findet die Archäologie in Zukunft darauf Antworten. Einen sehr viel aussagekräftigeren, lebendigeren Eindruck der Gartengestaltung im frühen Mittelalter vermittelt der bereits erwähnte Walahfrid Strabo mit seinem Gedicht "Liber de cultura hortorum" in alten Schriften kurz "Hortulus" genannt. Walahfrid beschreibt auf poetische Weise die Anlage und Pflege des Gartens, dabei finden sich durchaus praktische Tipps und Vorgehensweisen. Besonders deutlich wird die Zuneigung zu seinem Garten. Weitere Hinweise auf die geplante gärtnerische Nutzung von Land finden sich in der Landgüterverordung Karls des Großen (Capitulare de villis vel curtis imperii). Im letzten Jahrzehnt des 8. Jhdt. entstanden, werden im 70. Kapitel Gartenpflanzen aufgezählt deren Anbau wohl empfohlen wurde. Der nächste maßgebliche Meilenstein in der Überlieferung die den Garten bzw. die Gartenpflanzen betreffen stellt die Arbeit der heiligen Hildegard, ab 1147 Äbtissin auf dem Rupertsberge bei Bingen, dar. Dort schrieb sie ihre "causae et curae" , aus denen später die sogenannte "Physica" enstand, das Werk: "Liber simplicis medicinae". Im ersten Buch werden über zweihundert Pflanzen aufgeführt, nun auch schon meist mit ihrem deutschen Namen. Diese Tatsache läßt vermuten, daß die Pflanzen sich sozusagen eingebürgert haben, und einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Erstmals werden einzelne Pflanzen aus den Reihen der eigentlichen Heilpflanzen ausgesondert und als zierende Gewächse für sich behandelt. Das Werk gibt uns einen Überblick über die erstaunliche Vielfalt der damals bekannten Gartenpflanzen. Nicht nur eine reine Übernahme antiker Quellen begegnet uns hier, sondern vermehrt eigene Beobachtungen. Weiterhin finden Bäume, ausländische Kräuter und Wildpflanzen Erwähnung. Mehr zu den einzelnen
Abb 4: Klosterplan Skt. Gallen

Pflanzenarten folgt weiter unten. Aus dem Jahre 1244 ist ein Chorherrenbuch erhalten, welches eine Abbildung des Stiftes mitsamt der Gärten an der Außenmauer zeigt. Als gartenhistorisches "Highlight" ist das Werk des Gelehrten Albertus Magnus (Abb. 5) zu bezeichnen. Mit seiner "Anweisung für einen Lustgarten" hat er es geschafft, antike Vorstellungen und zeitgemäße Gartengestaltung miteinander zu kombinieren. Überdies sind seine Formeln der Ästhetik und Funktionalität noch heute aktuell. Albertus gibt seinem Garten Gestalt, Mitte und Abschluss (Abb.6). Er ordnet die Gestaltelemente ohne zwingende Architekturvorgaben durch Gebäude. Mit seinem Werk paßt er haargenau in seine Zeit, eine Zeit der Umbrüche und Veränderungen. Besser gesagt paßt die Zeit genau zu seinem Werk, welches ein Indiz für die Neue Zeit ist. Schriftliche Überlieferungen mit Regional- oder Siedlungsbezug den Gartenbau betreffend finden wir zumeist ab dem 14. Jahrhundert. Aus Göttingen beispielsweise ist das Vorhanden-sein verschiedener Gartenformen ab 1313 belegt (Willerding 1984a). Der Vollständigkeit halber seien hier noch indirekte Quellen wie zum Beispiel frühe Kochbücher erwähnt. Allgemein sprudeln die Quellen für die Gartenhistorie recht spärlich, dennoch sind wir in der Lage durch interdisziplinäre Arbeit und das Herausfiltern von Informationen ein Bild zu schaffen. Die oft gewünschte "Allgemeingültigkeit" muß hier klar ausgeklammert werden.

Abb. 5: Albertus Magnus Abb. 6: Albertus Lustgarten 1- Wiese; 2-Wurzgarten; 3- Rasenbank; 4- Quelle; 5- Baumpflanzung


Die Entwicklung der Gärten in Mitteleuropa bis zum 13. Jh.

Die Entwicklung des Gartens in Europa kann man als ein Fortschritt vom reinen Nutzgarten, hin zum reinen Lustgarten (bzgl. der "Gartenkunst", abgesehen vom Erwerbsgartenbau) zu verstehen. Sicherlich wurde hier das Rad nicht neu erfunden, Gärten zum ausschließlichen Zwecke des Lustwandelns oder der Erholung und Kontemplation sind hinlänglich aus der Antike bekannt. Aber nördlich der Alpen war das bisher undenkbar. Jeglicher Anbau von kultivierten Pflanzen diente der Nahrungsbeschaffung für Mensch oder Tier. Um die Entwicklung deutlich zu machen, und um diesem eigentlich sehr umfassenden Thema Struktur und Übersicht zu geben, werde ich mich in meinen Ausführungen auf die im Kapitel "Quellen und Grundlagen" behandelten Exempel beschränken. Wegbereiter und Pioniere auf dem Gebiet der Gartenkunst sind unbestritten die Benediktinermönche , auch wenn ihre Anlagen im Großen und Ganzen noch wirtschaftlichen Charakter haben. Bei genauerer Betrachtung fallen einige Besonderheiten auf. Im St. Galler Klosterplan, dem ältesten bildlichen Gartenplan in Mitteleuropa, finden wir erste Gestaltelemente, die ausschließlich dem Wandeln und der Erholung dienen. Neben den Nutzgartenarten (auf welche weiter unten noch eingegangen werden soll) Gemüsegarten (hortus), Kräutergarten (herbularius) und dem (Obst-)Baumgarten, der wie wohl üblich auch als Friedhof diente, finden sich auch noch ein Kreuzgang- Garten und zwei "Paradiese". Der Kreuzgang- Garten erinnert stark an einen römischen Peristylgarten, ein Wegekreuz führt zur Mitte des Platzes, wo vermutlich ein Sadebaum vorgesehen war ( Fischer 1929 ). Dies geht aus der dort verzeichneten Inschrift "savina" hervor. Man meinte also einen Juniperus sabina, einen Wacholder, nämlich den "sevenboom" oder "Sadebaum". Interessant ist die Wahl dieses Gehölzes allemal, galt doch der Sadebaum im gesamten Mittelalter als Abortivmittel (Hennebo 1987 ). Die deutschen Volksnamen dieses Baumes hängen damit zusammen, z.Bsp. "Mägdebaum", "Jungfernpalme" oder "verboden bum". E. Fuchs zitiert eine alte englische Ballade in der es heisst:

To put on the savin- tree
But for a that she could say or do
The babie it would not die...


Andererseits galt der Sadebaum in einigen Gegenden des katholischen Frankenreiches als Mittel gegen böse Geister, auch wurden mit seinem Holz Räume religiös ausgeräuchert (H. Marzell 1951 ). Auf jeden Fall ist hier mit dem Kreuzgang- Garten erstmalig ein Raum für Gestaltung entstanden. Er ist völlig losgelöst vom Gedanken den Garten als Produzent von Nahrung oder sonstwie nutzbaren Pflanzen anzulegen. Hier konnte sich ein neues Naturgefühl entfalten, das eine grundlegende Änderung im Bewußtsein der Menschen erzeugt. Nun war der Weg frei für den Garten als Kunst, als Ort der Verklärung und Poesie, und auch als Ort der (heimlichen) Liebe( Abb. 6). Natürlich war es noch ein langer Weg bis zur Perfektion in der Renaissance oder dem Barock. Der Abt Walahfried Strabo hinterließ uns ein Werk (hortulus) aus dem wir wunderbar ablesen können welches Lebensgefühl und welche Freude solche ein "Gärtchen" dem Menschen bringen kann. In geradezu putziger Weise beschreibt er die Anlage, Pflege und den Genuß eines Gartens in Gedichtform. Der Garten hatte sich innerhalb der Kunst etabliert. Die schon erwähnte Hildegard von Bingen verschrieb sich weniger der Gartenkunst als den Gewächsen und den ihnen innewohnenden Heilkräften. Ihr Einfluß auf die geplant kreative Gartengestaltung war also nicht merklich, wohl aber hatte sie Anteil an der neuen Wertigkeit der Gartengewächse, mithin der Gärten an sich.

bb. 7a Unbekannter Meister 14. Jahrhundert, " Du sollst nicht Unkeusch sein" Abb. 7b: Aus einer Handschrift des Martinus Opifex 1440, Liebespaar im Kräutergarten

Diese gesamte Entwicklung gipfelte im 13. Jahrhundert im Werk des Albertus Magnus. Er war Gelehrter, Rat, Dominikaner, Wissenschaftler und Philosoph, der universalste Geist seiner Zeit. Albertus ist vor 1200 als Sohn eines Rittergeschlechtes in Lauingen (Schwaben) geboren und 1280 in Köln gestorben Der Garten, den Albertus Magnus entwirft , kann als Bindeglied zwischen den Klostergärten des frühen Mittelalters und den Lustgärten der adeligen Gesellschaft gelten, und bietet gleichzeitig eine Vorschau auf die kommende Entwicklung. In seiner naturwissenschaftlichen Schrift " De vegetabilius, liber septimus de mutatione plantae ex silvestritate in domesticationem" befindet sich die Anweisung zur Anlage eines Lustgartens. Infolge der mannigfaltigen Veränderungen im Laufe des 13. Jahrhunderts veränderte sich das Gartengefühl der Menschen erheblich. Die neue Gesellschaft stellt nun den Lustgarten in den Mittelpunkt ihres Lebens und Denkens, und findet ständig neue Beziehungen zu ihm und seinen Elementen ( Hennebo,1987 ). Dieses Empfinden, und dieses Ideal vom "Minnegarten" lebt länger als die ritterliche Gesellschaft selbst. Die Vorstellung vom Garten als Ausdruck höchster Poesie und erhabenen Lebensgefühls übernimmt das erstarkte Bürgertum gern und eifrig. Der Garten gilt nun auch als Sinnbild der Weiblichkeit , der irdischen Frauenschönheit. Walter von der Vogelweide schreibt:

ir wangen wurden rôt,
same diu rôse, dâ si bî der liljen stât.


In einem Liebesgedicht aus dem 13. Jahrhundert heißt es vom Munde der Geliebten:

suozer roservarwer munt
chum und mache mich gesunt


Der mittelalterliche Lustgarten entsprach den Vorstellungen der Menschen vom Paradies, entstand aber zunächst aus irdischen Bedürfnissen. Am Übergang zum Spätmittelalter ist die Entwicklung zu einer echten "Gartenkultur" im eigentlichen Sinne abgeschlossen, der Garten ist fest verwurzelt im Denken und Handeln der Menschen, er nimmt Einfluß auf Kunst und Dichtung. Bei genauerer Betrachtung scheint die Wertigkeit des Gartens höher als in heutiger Zeit. Aber nur auf den ersten Blick, denn ein Großteil der mittelalterlichen Bevölkerung hatte keinen Zugang zur höfisch- adeligen Welt. Aber auch sie hatten Gärten, auch dort gab es eine Entwicklung, wenn auch aus anderen Motiven. Hier, bei den Bauerngärten, ging es klar um die Bereitstellung von vegetarischen Nahrungsmitteln außerhalb der Getreidekultur. Innerhalb dieser Bauerngärten finden wir oft das selbe Ordnungsprinzip wie bei den Klostergärten. Das einfache Wegekreuz mit der betonten Mitte finden wir noch heute in den Münsterländer Bauerngärten. Anfänglich wird noch nicht von horta Garten gesprochen, sondern von culta Pflanzungen. Dies läßt uns nicht eindeutig klären ob es sich um einen feldmäßigen Anbau von Gemüse oder um einen Garten handelt. Eine Schweizer Urkunde aus dem Jahr 1290 spricht dagegen von einem Haus, einer Hofstatt und dem dazugehörendem Garten. Oft wird jedoch auch vom Feldanbau gesprochen, beispielsweise im Jahre 1339. Dort wird auf einem offenem Landtag von den dort anwesenden Bauern beschlossen daß, wer Rüben auf dem Gemeindegut (Allmende) sät, sie ordnungsgemäß einzuhegen hat, damit sie niemand etzen, also ernten solle. Sicherlich sicherte dieses Verhalten auch den Rechtsanspruch auf sein eigenes Gemüse. Ebenfalls ist aus einer Urkunde der Altdorfer Äbtissin von Zürich, aus dem Jahre 1284 überliefert, daß die Bauern einen Gemüsezehnten zu entrichten hätten. Daraus kann man auf den professionellen und allgemein verbreiteten Anbau von Gartengemüse schließen. Allerdings war dieser Zehnt, wie oft bei Kleinzehnten, schwer zu berechnen und einzutreiben. Deshalb gab es um den Gemüsezehnt oft böse Streitereien (A. Hauser, 1976). Nach K.S. Bader sind manche Gartengewächse und Hausgärten völlig von Abgaben befreit, alle zum Hof gehörigen Gärten waren mit dem "Hofstattzins" abgegolten. Dies mag regional stark unterschiedlich gehandhabt worden sein, wo es allerdings zutraf, dürfte es zur Entwicklung des Hausgartens beigetragen haben. Rückblickend kann man also sagen, daß der Hausgarten im eigentlichen Sinne, parallel neben dem feldmäßigen Anbau von Gemüse, im 13.Jhdt. im ländlichen Bereich entwickelt war. Aber wie sah es nun in den aufstrebenden Städten des 13. Jahrhunderts aus? Man könnte vermuten, daß die Bürger sich aus dem reichlichen Angebot der Bauernmärkte bedienten. Das mag bedingt so gewesen sein, klar ist jedoch, daß am Rande der Stadt, im Bereich der Stadtmauer, Flächen für Gartennutzung zur Verfügung standen. Bei Inanspruchnahme dieser Möglichkeit wurde eine Abgabe erhoben (A. Hauser, 1976). Insbesondere in den Städten, wo der Garten oft die einzige von Bürgern im Eigenbau bewirtschaftete Fläche bildetet, erhob man solche Gebühren, soweit die Gärten auf Stadteigentum, zwischen den Gräben und Wällen, in "suburbium" oder Vorstadt, angelegt waren (A. Hauser, 1976). Städtische Gärten bildeten eine wichtige Quelle der Selbstversorgung der Bürger. Auch dafür gibt es einiges an urkundlichen Überlieferungen. Als Beispiel seien nur zwei genannt, in einer Urkunde aus dem Jahre 1298 erklären Walter und Rudolf von Iberg ihre Gärten zu Zürich vor der Stadt am Rennweg, am neuen Graben, aufzugeben und verzichten auf alle Ansprüche, und nach einer anderen Urkunde wird im Jahre 1303 in Solothurn ein Garten vor dem Stadttor verkauft (Quellenwerk zur Entstehung der Eidgenossenschaft, Abt. I Urkunden Nr. 184, 347). A. Hauser bemerkt, daß die Stadtgärten im Grunde Bauerngärten gewesen sind, ob und in welchen Umfang das zutrifft ist spekulativ. Nach Meinung des Autors wirft dies raumtechnisch, in Hinsicht auf die Ambition dieser Anlagen einiges an Problemen auf.

Die Gartenarten und ihre typischen Elemente im 13. Jahrhundert

Im 13. Jahrhundert begegnen uns verschiedene Gartenarten, welche nach Ihrer Funktion auch unterschiedlich angesprochen werden. Aus den schriftlichen Quellen kennen wir den Gemüsegarten hortulus, den Kräutergarten herbularius und den Baumgarten. Der Baumgarten begegnet uns als Element im Lustgarten und im Nutzgarten als Obsthain. Diese Trennung verdeutlicht auch die Nutzerschicht der Gärten. Wer es sich leisten konnte, unterhielt einen solchen Garten auf der Burg. Öffentliche Parkanlagen gab es nicht. Im Lustgarten des Albertus Magnus finden sich eine Wiesenfläche, ein Wurzgarten, und auch ein Baumgarten zu einer Komposition vereint. Alle Bedürfnisse der Erholung werden berücksichtigt. Die Bäume spenden kühlenden Schatten auf der Wiese und der Wurzgarten verströmt betörende Aromen und bringt Farbe ins Spiel. In der Mitte befindet sich als Blickfang und Angelpunkt ein Brunnen. Dieses Ordnungsprinzip fand sich bereits in den frühen Klostergärten. Neu und absolut typisch für Lustgärten dieser Zeit sind die sogenannten Rasenbänke. Dabei handelt es sich um kastenförmige Erhöhungen. welche mit Blumen und Gräsern bepflanzt werden und zum bequemen Sitzen und Plaudern einladen. Aus gestalterischer Sicht ist dies durchaus ein Ort, an dem sich pulsierendes Leben abspielen könnte, und der dennoch Platz zum Ruhen bietet. Baumgärten auf dem Lande waren in erster Linie zu Nutzzwecken angelegt, Obst erweiterte den Speiseplan der Menschen und versorgte sie mit wichtigen Vitaminen. Warum der Obstbaumgarten oft auf dem Friedhof gelegen war, begründet Hennebo mit dem deutlich sichtbaren Lebenszyklus der Obstgehölze. Werden und Vergehen an einem Ort. Es sind durchaus nicht nur endemische Gehölze im Obstbaumgaren zu finden, beispielsweise werden der Pfirsich und die Feige mit wahrscheinlich wechselndem Erfolg kultiviert. Der Kräutergarten findet sich ebenfalls mehrfach und mit unterschiedlicher Mission, einerseits im Lustgarten zum profanen Zwecke, und andererseits als Nutzgarten am Kloster. Bemerkenswert ist, daß die Grenzen zwischen Zier- und Heilpflanze sehr verschwimmen, so zum Beispiel bei der Schlüsselblume (Primula officinalis), dem Eisenhut (Aconitum napellus) und der Pfingstrose (Paeonia officinalis). Mit dem fortschreitenden Wissen im medizinischen Bereich wurde der Anbau von Kräutern intensiviert. Ebenfalls undeutlich sind die Grenzen von Gewürz- und Zierpflanzen, Albertus Magnus empfielt beispielsweise die gelbblühende Weinraute (Ruta graveolens) wegen ihrer zierenden Eigenschaften. Als Letztes haben wir noch den Gemüsegarten. Zu ihm bleibt nicht viel zu sagen, letztlich ist sein Zweck klar. Bis heute. In Lustgärten finden wir logischerweise keinerlei Gemüseanbau. Der professionelle Anbau von Gemüse fand auf dem Land, in der Nähe der Bauernhäuser, und am Stadtrand statt. Wir haben hier die typische Gestaltung von Bauerngärten wie wir sie heute noch finden. Eingefaßte Beete mit einer zentrischen Anordnung und weichen Raumkanten. In der Kombination verschiedener Gartenarten durch Albertus Magnus finden sich das Bedürfnis nach geordneten Gärten, und umschlossenen Räumen wieder

Pflanzenarten

Im weiteren finden sich Zusammenstellungen von für Mittelalter belegten Pflanzenarten. Auf Getreide und Hülsenfrüchte wurde hier absichtlich verzichtet, da diese hauptsächlich im Feldanbau produziert wurden und mit "Gärten" im engeren Sinne nichts zu tun haben. Weit verbreitete Getreidearten waren Roggen, Weizen, Hirse und Hafer (selbstverständlich gab es noch einiges an Getreide mehr, dies soll aber an anderer Stelle behandelt werden). Im Mittelalter begegnen uns fünf mehr oder minder nachgewiesene Hülsenfruchtarten, die Linse (Lens culinaris),die Ackerbohne (Vicia faba + var. major), die Erbse (Pisum sativa),und die Kichererbse (Cicer arientinum).Obwohl man sich der allgemeinen Verbreitung der Kichererbse nicht zu sicher sein kann, wird diese bei Strabo, bei Hildegard v. Bingen und bei Albertus Magnus erwähnt. Das Landgüterverzeichnis Karls des Großen (siehe oben) erwähnt die Linse, beide Erbsenarten und zwei Bohnenarten. Eine der beiden genannten Arten ist klar als Ackerbohne( Vicia faba, im Landgüterverzeichnis fabas majores also "dicke Bohne" genannt) zu identifizieren, nämlich als Sorte V. major. Weiterhin wird eine (?) Art genannt die als fasiolum angesprochen wird. Damit ist schlicht und ergreifend "Bohne" gemeint. Später aus der Neuen Welt eingeführte Bohnen bekommen diesen Gattungsnamen (Phaseolus- Bohnen =grüne Bohne, Stangenbohne, Gartenbohne). Natürlich kommen als fasiolum nur Arten aus der" Alten Welt" in Frage, und zwar die Helmbohne (Doliches lablab) und diverse Vigna- Arten (bspw. Kuhbohne = Vigna ungiuculata). Beide Arten mögen es eher warm und trocken, erstere wird ursprünglich in Indien (Weiterverbreitung in Asien) vermutet und verträgt absolut keinen Frost, die Gattung Vigna kommt wohl aus Afrika ( auch "Pharaobohne") sowie Asien (Japan, China) und hat in Europa ähnliche Probleme. Beide Gattungen lassen sich letztlich in Europa bis zum 13.Jahrhundert nicht nachweisen. Archeo-ethnobotanisch läßt sich lediglich die Linse, die Ackerbohne, die Kichererbse und die Erbse belegen.
Alle aufgeführten Pflanzen sind entweder durch schriftliche oder bildliche Quellen belegt, und/ oder paleo- ethnobotanisch nachgewiesen. In den Tabellen nach Willerding finden sich Nachweise für das gesamte Mittelalter, der Vollständigkeit halber sind auch spätere Zeitstellungen aufgenommen. Alle im 13. Jahrhundert gebräuchlichen Arten sind fettgedruckt

Tabelle 1. Zierpflanzen
Dt. Name Name Herkunft Nachgewiesen seit:
Akelei Aquilegia vulgaris Eurasien 12. Jh.
Christrose Helleborus niger Europa 12. Jh.
Dachwurz Sempervivum tectorum Europa 9. Jh. (R)
Eisenhut Aconitum napellus Europa 13. Jh.
Goldlack Cheiranthus cheiri östl. Mittelmeergeb. 13. Jh.
Immergrün Vinca minor Europa 15. Jh.
Levkoje Matthiola incana Mittelmeergebiet 15. Jh.
Löwenmäulchen Antirrhinum majus Mittelmeergebiet 15. Jh.
Maiglöckchen Convallaria majalis Europa 15. Jh.
Margerite Chrysanthemum leucanthemum Eurasien 15. Jh.
Marienlilie Lilium candidum östl. Mittelmeergebiet 9. Jh. (R)
Märzenbecher Leucojum vernum Eurasien 15. Jh.
Maßliebchen Bellis perennis Eurasien 15. Jh.
Nachtviole Hesperis matronalis Eurasien 14. Jh.
Osterglocke Narcissus pseudonarcissus Europa 13. Jh.
Pfingstrose Paeonia officinalis Südeuropa 12. Jh.
Rote Rose Rosa gallica Mittelmeergebiet 9. Jh. (R)
Weiße Rose Rosa alba Mittelmeergebiet 9. Jh. (R)
Rote Lilie Lilium bulbiferum Südeuropa 15. Jh.
Hohe Schlüsselblume Primula elatior Europa 15. Jh.
Arznei Schlüsselblume Primula officinalis Europa 10. Jh.
Stengellose Schlüsselblume Primula vulgaris Europa 12. Jh.
Schwertlilie Iris germanica östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Malve Alcea rosea östl. Mittelmeergebiet 15. Jh.
Veilchen Viola odorate Europa 9. Jh.
Vergißmeinnicht Myosotis sylvatica Europa 15. Jh.
R=bereits seit der Römerzeit nachzuweisen; N=bereits seit dem Neolithikum nachzuweisen

Tabelle 2: Gemüse
dt. Name Name Herkunft nachgewiesen seit:
Amaranth Amaranthus lividus östl. Mittelmeergebiet 12. Jh. (R)
Feldsalat Valerianella locusta Mittelmeergebiet 12. Jh. (N)
Garten-Melde Atriplex hortensis West Asien 9. Jh. (R)
Gurke Cucumis sativus Vorderindien 9. Jh. (R)
Kohl Brassica oleracea Mittelmeergebiet 9. Jh. (N)
Kohlrübe Brassica rapa Mittelmeergebiet 12. Jh. (R)
Lauch/Poree Allium porrum Mittelmeergebiet 9. Jh. (R)
Mangold Beta vulgaris
ssp. Vulgaris
Europa 9. Jh. (R)
Mohrrübe Daucus carota Eurasien 9. Jh. (N)
Rettich Raphanus sativus Mittelmeergebiet 9. Jh. (R)
Pastinak Pastinaca sativa
ssp. sativa
Eurasien 9. Jh. (N)
Portulak Portulaca oleracea
ssp. sativa
Mittelmeergebiet 12. Jh. (R)
Rote Rübe Beta vulgaris
ssp. rapacea
Europa 13. Jh.
Salat Lactuca sativa östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Sellerie Apium graveolens Mittelmeergebiet 9. Jh. (N)
Spinat Spinacia oleracea West Asien 15. Jh.
R=bereits seit der Römerzeit nachzuweisen; N=bereits seit dem Neolithikum nachzuweisen

Tabelle 3: Gewürzpflanzen
Anis Pimpinela anisum östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Balsamkraut Chrysanthemum balsamita SW - Asien 9. Jh. (R)
Basilikum Ocimum basilikum Nordafrika 12. Jh. (R)
Beifuß Artemisia vulgaris Eurasien 12. Jh.
Bockshornklee Trigonella foena-graceum Mittelmeergebiet 9. Jh. (R)
Bohnenkraut Saturea hortensis östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Dill Anethum graveolens östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Dost Origanum vulgare Eurasien 12. Jh (R)
Eberraute Artemisia abrotanum östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Fenchel Foeniculum vulgare westl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Gartenkresse Lepidium sativum 9. Jh. (R)
Gurkenkraut Borago officinalis westl. Mittelmeergeb. 13. Jh.
Kerbel Anthriscus cerefolium östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Knoblauch Allium sativum 9. Jh. (R)
Koriander Coriandrum sativum östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Kreuzkümmel Cuminum cymium Asien 9. Jh. (R)
Kümmel Carum carvi Europa 9. Jh. (N)
Liebstöckel Levisticum officinale Süd-Iran 9. Jh.
Majoran Origanum majorana östl. Mittelmeergeb. 12. Jh. (R)
Meerettich Armoracia rusticana Eurasien 12. Jh.
Muskateller Salbei Salvia sclarea Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Petersilie Petroselinum hortense Mittelmeergeb. 9. Jh. (N)
Polei-Minze Mentha pulegium Europa 9. Jh. (R)
Safran Crocus sativus östl. Mittelmeergeb. 13. Jh. (R)
Salbei Salvia officinalis Mittelmeergebiet 9. Jh. (R)
Sauerampfer Rumex acetosa Eurasien 12. Jh.
Schalotte Allium ascalonicum Vorderer Orient 9. Jh. (R)
Schnittlauch Allium schoenoprasum Eurasien 9. Jh.
Schwarzer Senf Brassica nigra Mittelmeergebiet 12. Jh. (R)
Schwarzkümmel Nigella sativa Mittelgebiet 9. Jh. (R)
Süßdolde Myrrhus odorata Europa 16. Jh.
Thymian Thymus vulgaris westl. Mittelmeergebiet 9. Jh. (R)
Weinraute Ruta graeolens östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Wermut Artemisia absinthium Eurasien 9. Jh. (R)
Ysop Hyssopus officinalis Eurasien 12. Jh.
Zitronenmelisse Melissa officinalis östl.Mittelmeergeb. 12. Jh. (R)
Zwiebel Allium cepa West-Asien 9. Jh. (R)
R=bereits seit der Römerzeit nachzuweisen; N=bereits seit dem Neolithikum nachzuweisen

Tabelle 4: Heilpflanzen
dt. Name Name Herkunft nachgewiesen seit:
Alant Inula helenium Eurasien 12. Jh.
Andorn Marrubium vulgare Eurasien 9. Jh.
Baldrian Valeriana officinalis 12. Jh.
Balsamkraut Chrysanthemum balsamita SW-Asien 9. Jh.
Beinwell Symphytum officinale Eurasien 12. Jh.
Betonika Betonica officinalis Eurasien 9. Jh.
Buchsbaum Buxus sempervirens Eurasien 12. Jh. (R)
Eisenkraut Verbena officinalis Eurasien 10. Jh. (R)
Haselwurz Asarum europaeum Eurasien 9. Jh.
Johanniskraut Hypericum perforatum Eurasien 12. Jh.
Katzenminze Nepeta cateria Eurasien 9. Jh.
Lungenkraut Pulmonaria officinalis Eurasien 12. Jh.
Odermenning Agrimonia eupatoria Eurasien 9. Jh.
Osterluzei Aristolochia clematitis Mittelmeergeb. 12. Jh.
Pfefferminze Mentha spicata Eurasien 9. Jh.
Pimpinelle Pimpinella saxifraga Eurasien 17. Jh.
Ringelblume Calendula officinalis Mittelmeergeb. 12. Jh. (R)
Sanikel Sanicula europaea Eurasien 10. Jh.
Seifenkraut Saponaria officinalis Eurasien 11. Jh.
Eibisch Althaea officinalis Eurasien 9. Jh.
Zichorie Cichorium intybus Eurasien 9. Jh.
R=bereits seit der Römerzeit nachzuweisen; N=bereits seit dem Neolithikum nachzuweisen

Tabelle 5: Obst
dt. Name Name Herkunft nachgewiesen seit:
Apfel Malus domestica Eurasien 9. Jh. (N)
Aprikose Prunus armeniaca Asien 9. Jh. (R)
Birne Pyris communis Eurasien 9. Jh. (N)
Hasel Corylus avellana Eurasien 9. Jh. (N)
Judenkirsche Physalis alkekengi Eurasien MA (N)
Maulbeere Morus nigra SW-Asien 9. Jh. (R)
Mispel Mespilus germanica Südeuropa 9. Jh. (R)
Pfirsich Prunus persica China 9. Jh. (R)
Pflaume Prunus insititia Orient 9. Jh. (R)
Quitte Cydonia oblonga Transkaukasus 9. Jh. (R)
Rote Johannisbeere Ribes rubrum Europa 15. Jh.
Sauerkirsche Prunus cerasus Europa 9. Jh. (R)
Süßkirsche Prunus avium West-Asien 9. Jh. (N)
Speierling Sorbus domestica Südeuropa 9. Jh. (R)
Stachelbeere Ribes uva-crispum Eurasien 13. Jh.
Walnuß Juglans regia östl. Mittelmeergeb. 9. Jh. (R)
Wein Vitis vinifera Europa 9. Jh. (N)
Zwetschge Prunus domestica SW-Asien MA
R=bereits seit der Römerzeit nachzuweisen; N=bereits seit dem Neolithikum nachzuweisen

Schlußbemerkung

Das Thema Garten im Mittelalter ist eigentlich viel zu umfangreich um es im Rahmen eines Internetaufsatzes zu behandeln. Ich hoffe dennoch, daß es mir gelungen ist dem interessierten Leser einen kurzen Abriss zu geben. Insbesondere das Thema Belegbarkeit von Kulturpflanzen ist für die Gestaltung der Mahlzeiten auf Veranstaltungen im Rahmen von living history recht interessant und noch lange nicht erschöpfend beantwortet. Uns bleibt zu hoffen, daß die Forschung auf diesem Gebiet in der Zukunft mehr Licht ins Dunkel bringt.

Literatur
U. Willerding, Gärten und Pflanzen des Mittelalters, in:Kulturgeschichte der Antiken Welt, 57, Der Garten von der Antike bis zum Mittelalter, M. Carroll- Spillecke, Mainz 1992, 249-284
U. und W.D. Unterweger, Das große Buch der Bauerngärten,Würzburg 1990
A. Hauser, Bauerngärten der Schweiz, Zürich 1976
D. Hennebo, Gärten des Mittelalters, München 1987
Benecke, Donat; Gringmuth-Dallmer, Willerding, Frühdeschichte der Landwirtschaft in Deutschland, (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 14), Langenweissbach 2003

Bildnachweis:
Abb. 1: U. Willerding, Gärten und Pflanzen des Mittelalters, in:Kulturgeschichte der Antiken Welt, 57, Der Garten von der Antike bis zum Mittelalter, M. Carroll- Spillecke, Mainz 1992, vordere Umschlaginnenseite
Abb. 2: D. Hennebo, Gärten des Mittelalters, München 1987, S. 97
Abb. 3: D. Hennebo, Gärten des Mittelalters, München 1987, S. 38
Abb. 4: D. Hennebo, Gärten des Mittelalters, München 1987. S. 20
Abb. 5: Internetpublikation
Abb. 6: U. Willerding, Gärten und Pflanzen des Mittelalters, in: Kulturgeschichte der Antiken Welt, 57, Der Garten von der Antike bis zum Mittelalter, M. Carroll- Spillecke, Mainz 1992, S. 259
Abb. 7a: Hennebo, Gärten des Mittelalters, München 1987, S. 59
Abb. 7b: Hennebo, Gärten des Mittelalters, München 1987, S. 28
Tabelle 1-5 nach U. Willerding, Gärten und Pflanzen des Mittelalters, in: Kulturgeschichte der Antiken Welt, 57, Der Garten von der Antike bis zum Mittelalter, M. Carroll- Spillecke, Mainz 1992, S. 268- 273