Das Waschmaschinen-Experiment - Gelbfärben mit Zwiebel

Von David Seidlitz und Suse Sziborra, März 2005, Berlin



Ein Umzug in eine modernere Wohnung bringt meist nur Vorteile, in unserem Fall hatte er aber den Nachteil, daß wir nunmehr beim Färben auf unseren bewährten Gasherd verzichten mussten. Für zukünftige Färbungen haben wir uns inzwischen einen Gasbrenner zugelegt, aber jetzt nutzten wir die Gelegenheit, auch mal moderne Technik beim Färben mit "alten" Farbstoffen einzusetzen. Und das waren die Zutaten für unsere Zwiebelfärbung:
ca. 700g trocknene Zwiebelschalen, die wir im Laufe von Monaten gesammelt hatten, haben wir auf unsere beiden größten Kochtöpfe aufgeteilt.
Das Ganze haben wir ein bis zwei Stunden ausgekocht
Im Anschluss daran wurde der Sud mittels eines Mulltuches in einen Eimer abgeseiht. Schalen noch ordentlich auswringen: Fertig sind etwa 7 bis 8 Liter Farbbrühe.
Nun haben wir den angefeuchteten Stoff in die Trommel gegeben, das trockene Alaun hinzugegeben, und das Wollwaschprogramm mit möglichst hoher Temperatur (je nach Maschine - bei uns waren 90C möglich) gestartet. Nachdem der Wasserzulauf begonnen hatte stoppten wir das Programm und gaben den Farbsud über das Waschmittelfach in die Maschine. Dann haben wir einfach das Programm weiterlaufen lassen und nach einer knappen Stunde das fertig gefärbte Tuch aus der Maschine genommen.
 
links die gefärbte Wolle, rechts ein Stück, zu Testzwecken mitgefärbtes, Leinen

Im Laufe weiterer Färbungen von z.b. melierter Wolle und verschiedener Tests mit dem Färben von Leinen ergab sich ein sehr breites Farbspektrum, das sich mit Zwiebelschalen erreichen lässt, welches wir euch hier nicht vorenthalten wollen:

1,2,3,: Zwiebel auf Leinen, Vorbeize mit Alaun im Topf gefärbt. 1:nach einer Handwäsche mit Seife, 3:einmal in der Maschine gewaschen
 
4,5,6,:Das Stück Leinen aus obiger Maschinenfärbung, 4: nach einer Maschinenwäsche, 6: nach einer Handwäsche mit Seife
 
7 und 8:Zwiebel auf Leinen, Kaltfärbung (4 Tage) ohne Beize, 7: nach einer Handwäsche mit Seife
 
9: Doppelfärbung Krapp und Zwiebel, Vorbeize mit Alaun, im Topf gefärbt

Um die Echtheit zu prüfen haben wir die Stoffproben noch weitere Male von Hand gewaschen. Nach dem dritten Durchgang war der Farbstoff aus den Leinenproben fast völlig verschwunden. Wollproben erlitten einen kaum merklichen Verlust. Als erstaunlich dauerhaft erwies sich die Leinen- Kaltfärbung (Nr.8/7), auch wenn die Farbe nicht mehr wirklich ansehnlich war hielt sie den Waschattacken am tapfersten stand.

Aus den gefärbten Tuchen wurden die neune Kleider für unsere Kinder gefertigt. Links Claras Kleid aus der Färbung in der Waschmaschine und rechts Konrads Kleidchen aus einem Farbgang im Topf; zweiter Aufguß der bereits einmal ausgekochten Zwiebelschalen, Alaunvorbeize auf melierter Wolle