Färben mit Walnußschalen ein Erfahrungsbericht aus der heimischen Küche

Von David Seidlitz und Suse Sziborra, 04.03.2004, Berlin



Im Winter 2003/ 2004 wuchs in uns der Drang, unserer Kleidung den letzten Schliff mittels Naturfärbung zu verpassen. Gefestigt wurde unser Wille noch in Form eines "guten Vorsatzes" an Silvester, ab jetzt werden wir alle textilen Neuanfertigungen pflanzlich färben. Da wir von dieser Materie nur bedingt Kenntnis hatten, haben wir uns erkundigt und Literatur gewälzt. So vielfältig wie die Autoren sind auch die Vorgehensweisen, das machte es nicht leichter. Nach dieser Erkenntnis filterten wir uns die Übereinstimmungen heraus und bastelten uns unser eigenes "Rezept". Die Wahl für das erste Färbeexperiment fiel auf Walnußschale. Zum einen paßte der erwartete Farbton haargenau zu dem von mir geplanten Garde- Corps - Walnuß färbt warme Brauntöne in verschiedenen Nuancen - und zum anderen schien uns das Färben mit Walnuß am simpelsten. Das schon mal vorweg, eine wahnsinnige Sauerei richtet man trotzdem dabei an. Nun stellte sich die Frage woher bekommt man mitten im Februar Walnußschalen? Hätte man schon im Herbst... Glücklicherweise bekommt man heutzutage jederzeit fast alles, auch Pflanzenfarbstoffe zu bezahlbaren Preisen. Einen kurzen Dämpfer bekamen wir allerdings nachdem uns der erste Händler weiterschickte. Angeblich sei Walnußschale zu dieser Jahreszeit schwer zu bekommen :o( Letztenendes bekamen wir dennoch unser Material. Doch nun zu den Eckdaten: Der Färbevorgang mit Walnuß erfordert keinerlei Beize, denn die Pflanze besitzt ausreichend Gerbsäure, welche zur Fixierung genügt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit Walnuß zu färben, kalte sowie heiße. Wir haben uns für die Heißfärbevariante entschieden, weils schneller geht und die Farbe kräftiger wird. So, bis hierhin nichts besonderes wird der eine oder die andere denken. Ist es auch nicht, bis auf die kleine Tatsache das wir das ganze in der Wohnung, in unserer Küche durchziehen wollten. Diese Erfahrung wollten wir den interessierten Gästen auf der familia ministerialis Homepage nicht vorenthalten.

Schritt 1:
Den Färbekessel haben wir mit 30l Wasser befüllt, idealerweise sollte es sich um Regenwasser oder sonst ein weiches Wasser handeln. Darauf mußten wir aus logistischen Gründen verzichten. Spätestens bis jetzt sollte man sich entschieden haben wo der Kessel stehen soll, denn er ist nun richtig schwer.

Bild 1: Der quellende Farbsud.

Schritt 2:
Nun haben wir unter ständigem Rühren die getrockneten Schalen in das Wasser gegeben. Jetzt hatten wir 24 Stunden Ruhe, denn so lange sollte der Sud ziehen.( Bild 1)

Schritt 3:
Nächster Tag. Die Schalen sind gewaltig aufgequollen, und das Wasser ist nun in der Tat als Farbsud zu bezeichnen. Nun haben wir das Ganze noch 1 Stunde auf dem Gasherd (!) köcheln lassen. (Bild 2)

Bild 2: Der Sud muß 1 Stunde köcheln.

Schritt 4:
Jetzt kommt das fette Ende. Nachdem der Sud ein wenig abgekühlt war transportierten wir den gewichtigen Kessel in die Badewanne. Unter Zuhilfenahme eines Siebes sowie mehrerer Mulltücher begannen wir den Sud abzuseihen. Dabei kam es darauf an, auch den letzten Rest Farbsud aus den Schalen herauszupressen(Bild 3). Eine mächtige Arbeit und eine riesigeSauerei!

Bild 3: Eine riesen Sauerei beim abseihen, aber auch der letzte Rest wird rausgepresst

Schritt 5:
In den nun fast vollends abgekühlten Farbsud gaben wir das trockene Wolltuch hinein. Jetzt haben wir das ganze wieder langsam (!) erwärmt, und eine Stunde auf 80C gehalten (Bild 4). Anschließend das Ganze langsam runterkühlen lassen. Wolle verträgt solch hohe Temperaturen durchaus, wichtig ist es, schroffe Temperaturstürze zu vermeiden. Unsere Wolle ist nicht erheblich eingelaufen ( allerdings hatten wir sie nach dem Kauf schon einmal gewässert).

Bild 4: Während des Färbens müssen 1 Stunde 80C gehalten werden.

Schritt 6:
Nachdem der Sud ausreichend abgekühlt war haben wir das Tuch ausgewrungen und gründlich gespült (Bild 5). Als das Spülwasser fast klar war, wurde das Tuch wiederholt ausgewrungen. Jetzt konnte es zum trocknen aufgehangen werden.

Bild 5: Nach dem abkühlen gründlich Spülen.

Das Ergebnis ist durchaus überzeugend (Bild 6) und entschädigt für das Chaos in Küche und Bad allemal. Am nächsten Tag haben wir eine zweite Partie im selben Sud angesetzt. Diesmal allerdings deutlich weniger Färbegut, etwa 300g naturweiße Wolle (schon genähte Beinlinge). Auch das Ergebnis war eine schönes Goldbraun, allerdings weniger intensiv. Der positive Verlauf ermutigt uns es in Zukunft weiter, mit anderen Färbepflanzen, zu versuchen. Färben macht Spaß!

Bild 6: Das Ergebnis. Zum Vergleich färbten wir ein Stück weißes Leinen mit

Links: der in der 2. Partie gefärbte Beinling. Rechts: fertiger Garde- Corps aus dem gefärbten Tuch