Der Maibaum im Färbetopf

vom Gelb- und Grünfärben mit Birkenlaub
 
Von David Seidlitz und Suse Sziborra, 12.05.2006, Berlin



Vor einiger Zeit begannen wir, an dieser Stelle die Ergebnisse unserer ersten Färbeexperimente zu veröffentlichen. Inzwischen haben wir die Ebene des Experimentierens weitgehend verlassen, trotzdem möchten wir euch auch in Zukunft an einem Teil unserer Färbeprozesse teilhaben lassen.

Unter den unzähligen wildvorkommenden gelbfärbenden Naturfarbstoffen nimmt die Birke wegen der Brillianz der Farbergebnisse zweifelsohne eine besondere Stellung ein.
Das Laub der Hängebirke (Betula pendula) enthält mehrere Farbstoffe der Flavongruppe (Hyperosid, Myricetin). Die günstigste Erntezeit für die Blätter ist der Juni, wenn die Pflanze voll im "Saft" steht. Die Blätter lassen sich frisch und getrocknet zum Färben verwenden. Im Gegensatz zu den anderen Gelbfärbern bringt Birke ein sehr klares und lichtes Gelb. Die Nachbehandlung mit Eisenvitriol bringt ein wunderschönes lindgrün auf die Fasern. Wir haben unsere Wolle mit 15 % Alaun vorgebeizt.

Zutaten:

Die getrockneten und geschnittenen Birkenblätter haben wir in ca. 70 Litern Wasser eingeweicht. Der Färbekessel wurde zuvor mit einem locker gewebten Leinentuch ausgeschlagen, um die Pflanzenteile nachher problemlos aus dem Farbsud zu entfernen. Die Blätter verbleiben ca. 12 Stunden im Einweichbad.
Nach dem Einweichen müssen die Blätter mindestens 1 Stunde gekocht werden.
Nun haben wir das Leinentuch vorsichtig Stück für Stück aus dem Kessel gezogen.
So verbleiben die Pflanzenreste im Tuch und nicht im Farbsud. Bei der Wahl des Tuches ist darauf zu achten, daß es möglichst locker und durchlässig gewebt ist.
Um den Farbstoff optimal auszunutzen, haben wir den Leinensack mit den Blättern auf einem Rost austropfen lassen.
Nachdem der Sud etwas abgekühlt ist, kann das Wolltuch eingetaucht werden.
Die Flotte wird nun wieder erhitzt und etwa 30 min. bei ca. 80C gehalten.
Das Tuch hat nun genug Farbstoff gezogen und kann auf dem Ablaufrost austropfen.
Gründliches Spülen ist wichtig für ein optimales Färbeergebnis.
Im dritten Zug haben wir dem Sud 2% aufgelöstes Eisenvitriol zugesetzt, um ein Lindgrün zu färben.
Sofort bei Zugabe des gelosten Salzes, färbt sich der Sud grün.
Bevor das Tuch in den Kessel kommt wird kräftig umgerührt. Der gesamte Inhalt des Färbekessels schlägt ins Grüne um.
Das Ergebnis des Tages: zwei Züge Sonnengelb, ein Zug Maigrün. Leider kommt, wie so oft, die Leuchtkraft der Färbung im Bild nicht zur Geltung...